Afrika: Ein hoffnungsloser Kontinent?

November 1st, 2006

Wer Schweizerdeutsch versteht, kann die Sendung mit diesem link per Video eine Woche lang abhören. Auf dieser Videoseite auf ‘Club’ klicken.

Nach einer Woche während Monaten im Archiv, dort auf die Sendung vom 31.10.2006 klicken. Dauer: zirka 90 Minuten. Achtung: alles immer auf schweizerdeutsch.

Heute Abend im Club des Schweizer Fernsehen eine Diskussion über Entwicklungshilfe in Afrika. Ich habe noch während der Sendung an den Club folgendes mail abgeschickt. Hier meine Reaktion auf die Diskussion:

Erstens: Vor der Kolonisierung waren in Afrika die Männer zuständig für Jagd und Politik, Frauen für die Wirtschaft und Kinder. Als die Weissen kamen, machten diese Handel NUR mit Männern, die Frauen, welche vom Geschäft etwas verstanden hätten, wurden zur Seite geschoben. Afrikanische Männer aber hatten, und haben im Wirtschaftlichen nicht den gleichen Riecher wie die Frauen, und das haben die Weissen erst mal so richtig ausgenutzt. Vor allem aber sind Männer wirtschaftlich viel korrupter. Das kommt daher, dass in Afrika in einem Stamm der Chef Rechte über alle anderen hat, erst dann ist er ein richtiger Siech. Und jeder Mann will natürlich einem Chef gleichen in seiner Identität. Dieser Reflex lebt weiter in Geld-Management.

Zweitens: Ein anderer aus der Jagd entwickelter Reflex: wenn etwas gejagt wurde, teilte man mit den anderen, und das ergab ein Festessen. Davon blieb bis heute der Begriff Fest. Hier in Genf leben viele arme Afrikaner. Ich beobachte, afrikanisch Männer verschleudern ihr Geld, sobald sie es in der Hand haben. Gibst Du ihm Geld für einen bestimmten Zweck, wird die Hälfte für ein Fest ausgegeben, im Bewusstsein, die andere Hälfte würde noch lange reichen für den vorgesehenen Zweck. Das müssen afrikanische Männer fast zwanghaft machen.

Drittens: Ein ganz anderer Aspekt in der afrikanischen Entwicklung des Individuums: Ich beobachte hier in Genf afrikanische Mütter. Immer nur das letztgeborene Kind wird beachtet, afrikanische Mütter kümmern sich (seelisch) nicht mehr um die vorher geborenen Kinder, nur um das letztgeborene. Der Reflex ist, dass die älteren Kinder vom ganzen Dorf ‚übernommen’ werden. Nach dem Motto, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Nur dass heute diese Dörfer nicht mehr existieren. Hier in der Schweiz, in einer Kleinfamilienwohnung, leben Kinder, mit denen niemand mehr redet in ihrem Privatbereich. Ich habe das beobachtet. Die Frustration, die sich hier anhäuft, kann nur noch mit Geld, Materialismus, Macht, dem ganzen Männergehabe, kompensiert werden.

Viertens: Eine schon beschrieben Angewohnheit: sobald jemand Geld verdient, ist er gezwungen, die ganze Sippe, die aus bis auf zwanzig Personen bestehen kann, durchzufuttern. Das passiert hier in der Schweiz mit Afrikanern, welche einen recht bescheidenen Wohlstand sich erarbeiten. Immer hocken ein paar Verwandte da und rühren keinen Finger, um etwas zu verdienen. So kommt keiner hoch, so werden alle immer arm bleiben.

Diese vier ‚schlechten Gewohnheiten’ machen, dass Afrikaner mehr Mühe haben, mit einer modernen Geldmanagement-Gesellschaft zurecht zu kommen. Gewohnheiten, welche im Busch ihre Richtigkeit haben können. Hier werden sie zur Katastrophe. Solange Afrikaner nicht fähig sind, dies einzusehen und ändern zu wollen, wird Afrika im Grossen und Ganzen arm bleiben.

Ich bin nicht einverstanden mit dem, was gerade im Club gesagt wird: wir Weisse hätten mit unserem Kolonialismus jetzt zurückzuzahlen (mit viel Geld).

Nein, nein, nein.

Zum einen hilft das den Afrikanern wenig, wenn sie als Kinder durchgefüttert werden bis in alle Ewigkeit. Afrikaner sind jetzt als erwachsen zu behandeln, Almosen gibt man Kindern und Schwachen. Und all diese Geldmengen sind Almosen.

Zum anderen waren die Ausbeuter die gleichen, die auch unsere Bauern im Mittelalter ausgebeutet haben. Die Vorfahren meiner (deutschen) Mutter waren (auf Taglöhnerniveau) ebenfalls Opfer dieser Ausbeuter, der damaligen Elite. Die Kolonien wurden von Leuten erschaffen, welche überall wie Raubtiere agierten.

Am gescheitesten und realistischsten argumentiert für mich Herr Rudolf Strahm. Herr Fust überzeugt mich nicht, sein Ansatz ist typisch elitär abgehoben.

Im ganzen ist diese Entwicklungshilfe und unsere ganze Reaktion auf Afrika ein Spiegel unserer eigenen Unreife dem Leben gegenüber. Auch wir verstecken uns hinter selbstgebauten Mythen. Im Helfen wie im Ausbeuten.

Solange wir es nicht schaffen, weltweit eine Wirtschaftordnung zu schaffen, für die man sich nicht schämen muss, wird auch unser Handeln in Afrika einen schrägen Eindruck machen.

Und so lange werden Afrikaner eher die Hand aufhalten mit dem Argument, wir seien ihnen etwas schuldig.

Chinesen fangen übrigens an, in ganz Afrika Geschäfte zu tätigen. Vielleicht sollten wir da mal beobachten, was wirklich dabei herauskommt.

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