Mein Feedback zur Neuraltherapie

June 1st, 2005

1991-1993 besuchte ich die Paracelsus-Schule zum Erlernen des Heilpraktikers. Die Lehrer waren meistens anerkannte Ärzte, welche zusätzlich zum Medizinstudium Heilpraktikermethoden anwandten. Zur Neuraltherapie hatten wir schon damals folgendes erfahren:

Die Neuraltherapie war sehr erfolgreich, als sie – Jahre zuvor – eingeführt worden war. Diese Erfolgsrate hatte mehrere Jahre gut angehalten. Dann musste man zusehen, wie die Wirkung, die Erfolgsrate, immer mehr absackte. Man erfuhr, es gäbe keine Erklärung.

Inzwischen hat mir eine Erklärung eingeleuchtet (ist also subjektiv auf meinem Mist gewachsen):
Der Mensch ist ein ‘Ganzes’, das heisst eine ‘in sich selber vernetzte biologische Einheit’. Die Schulmedizin nimmt darin nur einzelne ‘Sub-Logik-Netzwerke’ wahr, welche Symptome produzieren. Dort greift man ein, sich nicht genug kümmernd um Nebenwirkungen = Übergriffe auf benachbarte Netzwerke. Die Naturheilmethode versucht, dem entgegenzusteuern, macht es immerhin besser in diesem Punkt, wenn auch nicht wirklich ganz. Scheinbar auch nicht die Neuraltherapie.

Neuraltherapie will diesem Vernetztsein Rechnung tragen und ‘greift ein’ mit Reflex-Wirkungen: im Hirn haben Hautoberflächen einerseits und Organe andereseits gleichzeitig den gleichen Speicherplatz. Wenn man also auf der Haut einen Reiz auslöst, wird auch jenes Organ, das IM HIRN den gleichen Platz besetzt wie die gerade gereizte Hautfläche, ebenfalls ‘angepieckst’, also gereizt.

So hat man ein System entwickelt, mit dem man Organe reizen/deren Symptome ändern möchte, mit Hilfe von Anreizen der entsprechend im Hirn gespeicherten Hautfläche. Das hat jahrelang gut funktionniert, dann immer weniger.

Warum?

Ich denke, dass das intern gesteuerte biologische Regelwerk mit diesem ‘Trick’ etwas beschummelt wurde, die wirkliche Ursache, welche sich in in einem Organ bemekbar machte, wurde nicht richtig erkannt, mit der Neuraltherapie nur das Hirn beschummelt, aber die Ursache nicht wirklich beseitigt /geändert /ausgeglichen. Das merkt der Körper und gleicht, mit der Zeit, wieder aus = die Neuraltherapie wirkt nicht mehr gleich.

Wenn NEUE Kunden ebenfalls so reagieren, wäre ein gutes Forschungsobjekt, ob wir wirklich immer nur derart individuell reagieren, unbeeinflusst von kollektivem Geschehen, wie unser aktueller Mainstream dies sehen will. Denken Sie dabei an die Geschichte vom ‘hundertsten Affen’: Forscher hatten auf einer Insel Affen gelehrt, eine Wurzel vor dem Verzehr im Wasser zu waschen. Nachdem hundert Affen dies fähig wurden, hatte auf einer Nachbarinsel die ganze Affenbande begonnen, ebenfalls die Wurzeln vor dem Verzehr zu waschen. Ohne dass sie es gelehrt worden waren. Seither heisst dieses Vorkommnis ‘das Prinzip des hundertsten Affen’. Diese Geschichte ist irgendwo belegt … (update März 2012: siehe Das Prinzip des hundertsten Affen, auf de.wikipedia; und Hundredth monkey effect (The Hundredth Monkey Phenomenon), auf en.wikipedia.

Sind wir Menschen, mit den biologischen Reaktionen, ebenfalls viel mehr aneinander gekoppelt als unser individualistischer Kathechismus dies im Moment wahr haben will? Also mit unserem individuellen Mainstream-Denken nicht übereinstimmt? Leider bräuchten solche Forschungen Gelder.

(Nach einer Sendung, anfangs Juni 2005, im Schweizer Fernsehen).

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