Arenasendung vom 10.2.06 auf SF 1

February 12th, 2006

Mein Kommentar zu dieser Arenasendung – gerade über das Labtop-Video vom SF abgehört – zu den Mohammed Karikaturen. Zuerst: danke, dass Sie diesmal schon am Sonntagmorgen das Video zugänglich machten, nicht erst am Montagabend, wie letzte Woche.

Ihre Diskussion war erstaunlich offen, ehrlich um Erkenntnis bemüht. Ich habe Neues gelernt. Jetzt zu diversen Themen:

1. Minderheiten: auch bei uns gibt es eine Minderheit, die regelmässig geplagt wird, es sind die Genie-Kinder in den Schulen. Der durchschnittliche Schüler ist leider viel weniger intelligent als ein hochbegabtes. Diese Hochbegabten werden sehr oft einfach billig schikaniert. Würde es sich um Erwachsene handeln, würde man von Rassismus reden. Man tut es deshalb nicht, weil Geniekinder als Kategorie gar nicht existieren.

Rassistische Reaktionen von schwachen Schülern, aus Neid und Minderwertigkeitsgefühl, bestehen trotzdem, auch wenn deren Opfer als solche nicht erkannt werden.

Fazit: Damit will ich sagen, dass der Durchschnittsmensch wahrscheinlich weltweit immer etwas rassistisch ist. Erst durch Kultur lernen wir, dies oder jenes bewusst zu machen und eventuelle Änderungen zu entscheiden.

2. Auch nach Ihrer Arena denke ich immer noch, dieser ganze Knatsch ist von langer Hand vorbereitet. Dazu mein Kommentar von heute Nacht (bevor ich Ihre Arena abhörte).

3. Nicht nur Schweizer Muslime bleiben ruhig, machen höchstens eine Demo in Bern, auch hier in Abu Dhabi sind die Menschen ruhig geblieben. Siehe dazu ein anderer Kommentar.

4. Ja, der Clash of Civilisation wurde systematisch aufgebaut. Dieser ist aber nur der Nährboden für – ich insistiere – seine jetzige gezielte Ausnutzung durch Extremisten. Ob dieser Clash letztlich wirklich laufen wird, hängt davon ab, wie wir heute reagieren.

5. Ich erwarte auch, dass Muslime selber gegen ihre Extremisten antreten. Und dass Selbsterkenntnis nicht mehr tabu ist. Wenn Muslime nicht einsehen können, dass die Frauen, die Attentäter, der Extremismus IHR Problem ist, werden sie vom Rest der Welt solange daran erinnert, bis etwas mehr Einsicht ERLAUBT WIRD (denn natürlich ist diese Einsicht schon da, nur wagt sie nicht, sich zu melden).

6. Die Weltwoche hat diese Woche effektiv eine gute Frage gestellt in Sachen Frauen/Mädchen Integration, und sonstige sekuläre Gesellschaft. Wenn Muslime hier sind, müssen sie klar akzeptieren, dass hier nie ein Gottesstaat akzeptiert wird. Auch nicht mit Ausnahmen. Entweder der Islam verzichtet auf das Ziel eines Gottesstaates, etwa so wie die Kommunisten in Frankreich eines Tages auf die Weltrevolution verzichteten, oder sie erhalten hier kein Bürgerrecht.

7. Und hier bleibe ich hart. England hat heute schon das Problem, dass sie Hardliner nicht mehr ausweisen können, weil sie das englische Bürgerrecht haben. Ich bin dafür, dass Muslime das Schweizer Bürgerrecht erst erhalten, wenn wir wissen, wie wir in drei Generationen mit Schweizer Extrem-Muslimen umgehen werden. Denn das tun wir jetzt nicht.

Ja, ich bin dafür, dass Muslime nur dann das Schweizer Bürgerrecht erhalten, wenn die Muslimische Welt als GANZES einen sakralen Gottesstaat abschwört und einen sekulären Staat akzeptiert. Denn wir sehen es in Frankreich, es ist die dritte Generation der Immigranten, welche zum Extremismus zurückkehrt, deren Söhne den Schwestern das Kopftuch aufschwatzen wollen.

8. Nochmals: die ganze Welt hatte sich im kalten Krieg gegen den Kommunismus gewehrt, hat Flüchtlingen aus dem Osten geholfen, hat jegliche Propaganda betrieben, hat eigene Linke mit ‚Ticket Moskau einfach’ beschimpft. Warum sind wir so unbeholfen, wenn es um Religion geht?

Weil wir beim Kommunismus eine klare Vorstellung hatten (was nicht heisst, sie war besonders gut, aber wir hatten sie), bei den Religionen sind wir plötzlich scheu, weil wir uns selber gegenüber diese Frage nicht bis ins letzte beantwortet haben. Wir selber haben noch nicht gewählt, entschieden, wir selber sind doch in einer Grauzone zwischen dem Weltlichen und dem Sakralen. Bei der Kommunismusfrage war es leichter, weil es um materielle Dinge ging, beim Sakralen ist die Fragestellung viel schwieriger.

Und natürlich wählen dann gewisse Leute den einfachen Weg des Integrismus, der alle Fragen im voraus beantwortet (oder einer Sekte). Und genau da fängt das Problem an: ist der Mensch dazu bestimmt, selber zu denken? Vergessen Sie nicht, bei uns sind beispielsweise die Zeugen Jehovas dazu verpflichtet, jedes Wort zu akzeptieren, das in ihren Texten steht. Sie DUERFEN GAR NICHT eigene Interpretationen hineinbringen.

Der Unterschied zwischen der muslimischen Welt und unserer liegt darin, dass bei uns die Zeugen Jehovas das Ruder NICHT übernehmen konnten. Sonst würde es bei uns genau gleich laufen.

Dazu ein zweiter Punkt, der immer wieder übersehen wird: viele Sekten schliessen sich gegenseitig aus. Sekten bekämpfen zu wollen heisst, sie zu stärken. Ihnen dann den Lauf zu lassen, wenn sie nicht das Gesetz verletzen heisst, dass sie sich gegenseitig das Wasser abgraben, sich gegenseitig ausbalancieren und wir dazwischen unsere Ruhe geniessen dürfen.

Ist das so schwer zu verstehen?

9. Warum sagt niemand den Integristen, dass diese Mohammed viel mehr beleidigen, wenn sie in seinem Namen morden, plündern … sich wie die Schweine aufführen? Warum sagt dies niemand?

Im Namen Mohammed’s sich derart aufzuführen ist die grösste Beleidigung, die man einem Propheten überhaupt antun kann. Warum insistiert niemand heftig, mit Nachdruck und Ueberzeugung, auf diesen Punkt? Warten Sie darauf, bis Sie geglaubt werden? Sagen Sie nur Dinge, wenn Sie denken, der glaubt das auch?

Natürlich wird im Moment einer Brandstiftung oder eines Lynchmordes nicht daran gedacht. Aber wenigstens hinterher könnte man mit Nachdruck darauf bestehen! Warum tut das niemand?

Freedom for Egyptians.

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